Neues Verhalten lernen

Neues Verhalten lernen ist (manchmal) schwer – „Die verflixte Phase 2“

Stellen Sie sich vor, das menschliche Gehirn wäre ein Dschungel. Sie stünden vor diesem Dschungel und müssten auf die andere Seite. Also nehmen Sie Ihre Machete und beginnen sich einen Weg durch das Gestrüpp zu bahnen. Natürlich kommen Sie nur langsam voran, weil das Dickicht sehr widerspenstig ist, der Boden ist morastig, außerdem gibt es oft schlechtes Wetter. Und immer wieder verirren Sie sich, müssen ein Stück zurück und es neu versuchen. Es ist also äußerst mühsam, sie müssen oft rasten, aber irgendwann haben Sie es geschafft und Sie sind auf der anderen Seite. Endlich!
Dann fällt Ihnen ein, dass Sie dort, wo Sie hergekommen sind, etwas vergessen haben. Also müssen Sie wieder zurück, um es zu holen.
Der Rückweg ist zwar auch anstrengend, aber er fällt Ihnen schon wesentlich leichter, weil Sie ja schon einige Hindernisse aus dem Weg geräumt haben. Sie müssen nur noch dem Pfad folgen müssen, den Sie selbst angelegt haben. Deshalb verirren Sie sich auch nicht mehr.
Je öfter Sie diesen Weg benutzen, desto einfacher wird es, weil sie den Weg jedes Mal etwas verbreitern und das Dickicht immer mehr aus dem Weg räumen. Irgendwann wird aus dem ursprünglichen Trampelpfad eine Piste, dann eine befestigte Straße. Gleichzeitig legen Sie neue Wege an, weil Sie aus verschiedenen Gründen auch an andere Stellen des Dschungels gelangen wollen. Dort, wo Sie oft hinmüssen, werden die Wege immer besser und breiter. Es entstehen weitere Straßen und bald auch die erste Autobahn. Schließlich gibt es ein ganzes Straßennetz. Es gibt Hauptstraßen, kleinere Nebenstraßen, Gehwege, und Trampelpfade. Aber es bleibt auch noch sehr viel unberührtes Dschungeldickicht über, weil Sie lieber einen Umweg in Kauf nehmen, wenn Sie dafür gute Straßen benutzen können, als sich mühsam durch dorniges Gestrüpp und Schlingpflanzen zu kämpfen. Das ist bequemer und Sie sind schneller.
So ungefähr spielt es sich in unserem Gehirn ab. Ab unserer Geburt legen wir Pfade in unserem Gehirn an, verbreitern und verzweigen sie. Es bilden sich Autobahnen, Schnellstraßen, Straßen, Pisten und Trampelpfade. Auf diesen Wegen wandern unsere Gedanken und unsere Fähigkeiten. Jeder von uns hat sein Gehirn anders erschlossen. Wie, das ist zu einem großen Teil vom Zufall abhängig, aber auch zu einem großen Teil von Übung und Training. Bei einem Musiker führt eine Autobahn direkt in den musikalischen Teil seines Gehirndschungels. Dort gibt es bei ihm viele Straßen und Wege. Die Gegend ist gut aufgeschlossen. Hingegen hat er vielleicht im Tennisbereich seines Dschungels (Gehirns) noch gar keine Wege angelegt, es gibt nicht einmal eine Zufahrt. Wenn er nun vor der Entscheidung stünde, soll ich Tennis spielen oder Musik machen? wird er mehr Lust auf Musik, als auf Tennis verspüren: Warum? Weil sein Gehirn ihm signalisiert, dass der Musikbereich viel leichter erreichbar ist, als der Tennisbereich. Und weil sein Gehirn ihm sagt, dass er sich im Musikbereich viel leichter zurechtfindet, weil es da schon viele Wege und Straßen gibt. Im Tennisbereich gibt es das nicht, dort ist es mühsam.
Wollen wir nun etwas Neues lernen, dann müssen wir uns darauf einstellen, dass es anstrengend wird. Das heißt nicht unbedingt, dass es keinen Spaß macht. Meine NLP-Ausbildung, zum Beispiel, hat immer Riesenspass gemacht. Ich habe selten so viel gelacht, aber es war auch anstrengend und aufwendig.

Kennen Sie die vier Phasen des Lernens?

Phase 1: Die Unbewusste Inkompetenz.
Das ist der Zustand, in dem Sie noch gar nicht wissen, dass Sie etwas nicht können, weil Sie es noch nie probiert haben.

Phase 2: Die Bewusste Inkompetenz.
Da sind Sie, wenn sie es ausprobiert haben und wissen, dass sie es nicht können. Das ist  die unangenehmste Phase. Sie probieren und probieren, aber es klappt nicht. Hier werfen viele das Handtuch. Und es gibt nur einen Weg da rauszukommen: üben, üben, üben, bzw. trainieren, trainieren, trainieren. Das müssen Sie so lange durchhalten, bis Sie zur nächsten Phase kommen.

Phase 3: Die bewusste Kompetenz.
Das bedeutet: wenn Sie sich sehr bemühen und konzentrieren schaffen Sie es. Nun macht es schon etwas mehr Spaß. Doch nur wenn Sie weiter üben kommen Sie in den Genuss der Phase 4.

Phase 4: Die Unbewusste Kompetenz. 
Sie können es, auch wenn Sie gar nicht besonders konzentrieren. Es fällt Ihnen leicht, es geht ganz automatisch. Zähneputzen zum Beispiel, oder das Schalten beim Autofahren.
Ich persönlich, zum Beispiel, versuche mir seit Jahren autodidaktisch das Klavierspielen beizubringen. Ein paar Stücke kann ich schon. Die spiele ich immer wieder. Warum tue ich das? Weil ich mich da auf Phase 4 bewege. Es fällt mir leicht und macht mir Spaß. Natürlich möchte ich auch gerne was anderes spielen können. Doch da müsste ich mich auf Phase 2 begeben und dazu habe ich keine Lust.
Ich finde, es ist schon hilfreich, wenn man dieses Modell der 4 Phasen des Lernens einfach nur kennt. Finden Sie nicht auch? Wenn man wirklich etwas lernen will, oder muss, kann man sich sagen: „okay, ich bin jetzt auf Phase 2 und die macht halt einmal keinen Spaß. Doch, das ist mir wurscht, ich halte trotzdem durch. Denn früher oder später komme ich in Phase 3, dann geht es wieder bergauf, ganz bestimmt. Das lässt sich bei regelmäßigem Training gar nicht vermeiden. Und so schaff ich’s dann!

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Eine Antwort auf Neues Verhalten lernen

  1. … und so war ich auch heute, wie recht oft in meinem Leben, in Phase 2.
    Frustriert, wütend, im Begriff das Handtuch zu werfen.
    Noch ist´s mir nicht vorstellbar, aber Phase 3 und 4 kommen.
    Wie oft durchlaufen wir im Leben diese Prozesse, und immer wieder haben wir die emotionale Verzweiflung der Phase 2.
    Schön und tröstlich, dies hier so schwarz auf weiß geschrieben zu finden! Danke!

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