Der Placebo-Effekt, oder: die Verarschung der Pharmaindustrie

Realität ist das, was wir glauben zu wissen. Und eine Suggestion ist eigentlich ein Angebot etwas zu glauben. Und zu glauben bedeutet, etwas für wahr zu halten, auch wenn wir es nicht beweisen können.
Es gibt in der Geschichte der Medizin einen sehr interessanten Beweis für die Macht des Glaubens: das Phänomen des Placebos.
Der Placebo-Effekt tritt auf, wenn man jemanden, der glaubt, ein Medikament einzunehmen, in Wirklichkeit ein Mittel ohne jeden Wirkstoff gibt, und der Patient dann trotzdem gesund wird.
Die moderne Wissenschaft hat herausgefunden (es gibt eine Unmenge an Untersuchungen dazu), dass durchschnittlich in einem Drittel aller Fälle Placebos die gleiche Wirkung hervorrufen, wie ein echtes Medikament. Manche Studien zeigen sogar, das Placebos in 54 % aller Fälle genauso gut wirken, wie Morphium.
Es gibt sogar eine Untersuchung, die die umgekehrte Richtung einschlägt: es wurden Menschen untersucht, die nicht auf Placebos reagierten, und solche, die gut darauf ansprachen. Man gab ihnen echte Schmerzmittel wie Morphium, und es stellte sich heraus, dass unter denjenigen, die zuvor auf Placebos reagiert hatten, über 95 % auch auf Morphium reagierten. In der anderen Gruppe reagierten nur 46 % auf Morphium. Das zeigt, dass man selbst bei so starken Mitteln wie Morphium ein gewisses Maß an Glauben braucht, damit sie wirken.
Ebenso hat man herausgefunden, dass man bei stark dementen Personen, die nicht mitbekommen, dass sie ein Medikament verabreicht bekommen, eine wesentlich höhere Dosis an Schmerzmitteln geben muss, als bei „normalen“ Patienten.
Weiters hat sich herausgestellt, dass eine winzige rot glänzende Pille, die sehr teuer ist, eine deutlich bessere Placebowirkung bringt, als eine dicke billige ohne Überzug.

Vor ca 30 Jahren hatten Richard Bandler und John Grinder die Idee, selbst Placebos auf den Markt zu bringen. Sie wollten sie in eine Flasche verpacken und sie „PLACEBO“ nennen. Sie hatten vor, alle vorliegenden Forschungsergebnisse zusammenzufassen und sie in einem kleinen Buch abzudrucken, das sie den Flaschen beilegen wollten.
Die Käufer sollten nachschauen können, zu wieviel Prozent Placebos bei ihren Leiden wirksam sind, um ihre Chancen abschätzen zu können, dass eine Besserung eintritt.

Natürlich hatten die beiden damit gerechnet, dass dieses Vorhaben bei den medizinischen und pharmazeutischen Institutionen einen ungeheuren Aufruhr verursachen würde. Und genau dann, wenn der Wirbel am größten wäre, wollten sie „PLACEBO PLUS“ auf den Markt bringen – mit zwanzig Prozent mehr inaktiven Bestandteilen in jeder Kapsel. Robert Dilts berichtet davon, dass Bandler und Grinder dann auch noch „MEGA PLACEBO“ usw. herausbringen wollten. Soviel ich weiß, wurde ihnen dann das ganze Vorhaben von der amerikanischen Regierung verboten. Die Begründung ist mir leider nicht bekannt, aber wahrscheinlich wollte man verhindern, dass die ganze Pharmaindustrie und die Bestimmungen zur Herstellung von Medikamenten ad absurdum geführt werden.
Der Glaube daran, dass die eingenommene Tablette eine deutliche Wirkung zeigt, wirkt als Suggestion. Placebos sind also ein gutes Beispiel für die Wirksamkeit von Suggestionen.

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