Realitäten und Landkarten

Die Realität ist nicht real – oder: die Landkarte ist nicht das Gebiet!

Wie ist das gemeint? Stellen Sie sich einmal eine Landkarte vor. Und vergleichen Sie die Landkarte mit der Wirklichkeit. In der Wirklichkeit gibt es viel mehr, als in einer Landkarte verzeichnet ist. Real können Sie jeden Baum erkennen, auf der Landkarte sehen Sie keine einzelnen Bäume.
Auf der Landkarte sehen Sie zwar Straßen eingezeichnet, die Autos und Menschen, die sich darauf bewegen sind dort aber nicht zu sehen.
Sie sehen auf einer Karte nicht ob die Blumen blühen, ob es regnet oder die Sonne scheint, Sie sehen keine spielenden Kinder und Sie sehen den Schneemann nicht, den die Kinder gebaut haben.
Je genauer eine Landkarte sein soll, desto größer muss ihr Maßstab sein. Dadurch aber, kann nur noch ein kleinerer Teil des abgebildeten Gebietes auf der Karte sein, sonst würde die Karte bald so groß sein, dass sie niemand mehr handhaben kann. In der Wirklichkeit ist das Gebiet aber viel größer.
Auch kann man der Landkarte keine Bewegungen oder Klänge, Geräusche oder Stimmen entnehmen, und es gibt auch keine Geruchs- und Geschmacks-Landkarten.
Vielleicht sind Gasthöfe eingezeichnet, aber sicher nicht das Schnitzel und das Bier, das die Gäste sich dort schmecken lassen. Dann sitzen sie dort im Gastgarten, sind so richtig satt, je nach Menge des konsumierten Bieres auch ein wenig beduselt – aber auf einer Karte wird das nie verzeichnet sein. Es gibt also in der Realität immer viel mehr, als auf einer Landkarte eingezeichnet sein kann!

Können Sie mir folgen? Dann führen wir den Gedanken weiter.

Nichtsdestotrotz ist eine Landkarte ein nützlicher Gegenstand, wenn es darum geht, von einem Ort zu einem anderen Ort zu kommen, sei es zu Fuß, oder mit dem Auto.
Genauso verhält es sich mit unserer individuellen Realität. Wir haben im Kopf unsere eigene Landkarte, oder noch besser gesagt, unsere eigenen Landkarten. Diese sind Abbildungen unserer Realität, so wie wir sie in unserem Gehirn erschaffen haben. Eigentlich sind es „nur“ neuronale Strukturen, die uns vorgaukeln, die Realität wäre genau so, wie es uns unser Gehirn mitteilt. Was aber nicht stimmt.
Unsere inneren Karten setzen sich aus dem zusammen, was unsere Sinne uns melden. Unsere fünf Sinne sind sozusagen unsere Messfühler, mit der wir die Wirklichkeit abtasten und die gemessenen Größen an das Gehirn weiterleiten. Dieses nimmt nun diese Messgrößen auf, vermischt sie mit Erinnerungen und Erwartungen, sowie weiteren Informationen, die bereits vorhanden sind, und bäckt daraus den Kuchen unserer eigenen Realität. Wenn uns der Kuchen schmeckt freuen wir uns, wenn nicht, dann fühlen wir uns frustriert.
Unser Nachbar hingegen macht es zwar genauso, aber es kommt ein ganz anderer Kuchen zustande. Nämlich weil er andere Zutaten in seinem Gehirn hatte und weil er wahrscheinlich nicht genau die selben Messungen vorgenommen hat, wie Sie und ich. Auch funktionieren seine Messsonden etwas anders, weil er andere Fabrikate (nämlich seine eigenen) verwendet. Es entsteht der nachbarliche „Realitätskuchen“ der sich von dem unseren deutlich unterscheidet.
Kuchen oder Landkarten, beide dienen hier als Metapher, für unsere Vorstellungen der Realität, die wir für Wirklichkeit halten, obwohl sie nur Konstrukte unserer Gehirntätigkeit sind. Denn wir sind niemals in der Lage, die gesamte Wirklichkeit zu erfassen und unser Gehirn darüber zu informieren. Das geht schon biologisch einfach nicht.

Wie wichtig es ist, das zu wissen, und es zu beachten möchte ich Ihnen an folgendem Beispiel näherbringen.

Vor vielen Jahren war ich in Wien im Auto unterwegs. Ich fuhr durch eine Einbahnstraße. Es war Sonntag, wenig Verkehr, fast keine Leute auf der Straße. Die Situation war also gut überschaubar. „Der Weg ist frei“, meldete mein Gehirn, also trat ich aufs Gas und beschleunigte. Auf einmal sprang ein kleines Kind zwischen zwei geparkten Autos hervor, um über die Straße zu laufen. Mit einer Vollbremsung brachte ich mein Auto zum stehen, Gottseidank rechtzeitig. Zwei Zentimeter weiter und ich hätte das Kind erwischt. Sie können sich vorstellen, wie geschockt ich war.
Zuerst war es für mich Realität, dass ich ohne Gefahr aufs Gas steigen könnte. Binnen einer Sekunde war die Realität eine andere. Ich hatte das Kind nicht sehen können, weil es durch die parkenden Autos verdeckt war. Es war, sozusagen, auf meiner Landkarte nicht eingezeichnet. Vielen Dank, lieber Gott, dass das damals gut ausgegangen ist! Ich wage gar nicht daran zu denken, was wäre, wenn nicht.

Aber es ist nicht nur gefährlich, dass unsere Wirklichkeit nicht wirklich ist (an dieser Stelle möchte ich auf das das ausgezeichnete Buch „Wie wirklich ist die Wirklichkeit“ von Paul Watzlawick hinweisen). Es gibt uns auch die Chancen zu  erkennen, dass wir unser Leben verändern können, wenn wir damit nicht zufrieden sind. Fühlen wir uns frustriert, dann liegt es nämlich mit Sicherheit nur daran, dass in unserer Landkarte die Wege nicht eingezeichnet sind, die uns zu besseren Gefühlen führen. Was können wir also tun?

Entweder suchen wir uns diese Wege selbst. Dabei hilfreich können u.a. diverse NLP-Formate, sein. Oder wir besorgen uns eine Landkarte, auf der die richtigen Wege deutlich eingezeichnet sind. Im wirklichen Leben bedeutet das, wir suchen uns Menschen, die das erreichen, was wir auch erreichen wollen und schauen uns ab, wie die das machen. Im NLP nennt man das „Modelling“.
Wir borgen uns einfach die Landkarte der Menschen aus, die so erfolgreich sind wie wir gerne sein möchten (egal in welchem Bereich, materiell oder emotionell, etc.) und schauen, welche Wege dort eingezeichnet sind. Wege, die auf unseren Karten der Realität nicht zu finden sind. Dann machen wir uns eine Kopie und versuchen diese Wege selbst zu gehen. Natürlich ist nicht jeder Weg für jeden Menschen gleich gut geeignet, aber wenn wir ausdauernd und hartnäckig genug sind und mehrere Möglichkeiten ausprobieren, werden wir es schaffen. Denn die meisten wirklich erfolgreichen Menschen haben es auch so gemacht, glauben Sie mir.

Buddha sagt: es gibt drei Wege zu lernen:

  • Lernen durch probieren – das ist der mühsamste
  • Lernen durch nachdenken – das ist der edelste
  • Lernen durch nachmachen – das ist der leichteste

Entscheiden Sie selbst, welchen Weg Sie gehen wollen.

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