Nasreddin Hodscha

ist eine Sagenfigur aus dem türkisch-persischen Raum. Er zeichnet sich durch eine Mischung an Weisheit, Bauernschläue, Naivität und Humor aus. Man könnte ihn als den Till Eulenspiegel des Morgenlandes bezeichnen. Typisch für seine Geschichten ist, dass sie immer eine lehrhafte Aussage haben und zum Schmunzeln anregen. Hier drei Beispiele:

Der gestorbene Topf

Nasreddin Hodscha hat sich bei seinem Nachbarn einen Topf ausgeborgt. Als er ihn zurück bringt,stellt sein Nachbar erstaunt fest, dass sich im ausgeborgten Topf ein, ein zweiter, kleiner Topf befindet. Als er den Hodscha fragte, was das bedeutet, antwortet dieser: „Der Topf war schwanger, er hat ein Junges bekommen“
Nach einiger Zeit, borgt sich Nasreddin wieder einen Topf beim Nachbarn aus. Nach ein paar Tagen fragt ihn der Nachbar, wann er den Topf zurück bekäme.
Nasreddin Hodscha antwortet ganz betrübt: „es tut mir leid, aber dein Topf ist gestorben.“– „Aber ein Topf kann doch nicht sterben!“ rief der Nachbar verärgert, „gib ihn mir sofort zurück!“
– „Was?“, entgegnet der Hodscha, „dass ein Topf Junge kriegen kann, dass glaubst du, aber dass er sterben kann, willst du mir nicht glauben?“

Der Mund ist kein Sack

Nasreddin ist auf dem Weg zur Stadt. Seinen Sohn hat er auf einen Esel gesetzt, selbst geht er zu Fuß. Eine alte Frau, die ihnen entgegen kommt meint: „Na sowas, der Junge hat doch sicher zwei gesunde Beine. Und da lässt er seinen alten Vater zu Fuß gehen, während er selbst gemütlich auf dem Esel sitzt?“ Daraufhin weist Nasreddin seinen Sohn an abzusteigen und setzt sich selbst auf den Esel.
Sie kommen an zwei Männern vorbei, die am Wegesrand sitzen. „Schau mal“, sagt der eine, „der große Kerl sitzt auf dem Esel und lässt den armen Jungen nebenherlaufen. Ja, gibt es denn gar kein Mitleid mehr?“
Da steigen beide ab und gehen neben dem Esel her. Es kommt ein Bauer des Weges, sieht das, lacht und sagt:“ wie dumm kann man sein. Sie haben einen Esel mit, gehen aber trotzdem zu Fuß.“
Darauf hin setzen sich beide auf das Tier. „Der arme Esel“, sagt eine Frau, der bricht unter der Last schon fast zusammen. Das ist doch Tierquälerei!“
Da sagt Nasreddin zu seinem Sohn: „siehst du mein Junge? Wir haben alles probiert. Trotzdem war es nicht möglich einen Weg zu finden, ohne dass sich die Leute das Maul zerreißen. Den anderen kann man nie etwas recht machen. Sieh zu, dass du in deinem Leben immer das tust, was du selbst für richtig hältst. Der Mund ist schließlich kein Sack, den man zubinden könnte.“

Die üble Nachrede 

Ein Nachbar Nasreddins hatte über diesen schlecht geredet und Unwahrheiten verbreitet. Als ihn der Hodscha zur Rede stellte, bereute es der Nachbar und versprach: „ich nehme alles zurück, was ich über dich gesagt habe, verehrter Nasreddin Hodscha. Kannst du mit verzeihen?“
„Ich habe keinen Grund, dir nicht zu verzeihen“, sagte Nasreddin, „aber doch verlangt diese Tat nach Sühne“. – „Ich danke dir, und bin gerne dazu bereit, die Strafe anzunehmen, die du mir auferlegst“, meinte der Nachbar erleichtert. „Gut“, sagte Nasreddin, und holte aus seinem Haus einen großen Kopfpolster. „Schneide ein Loch in dieses Kissen“, sagte er, „und dann gehst du damit um das ganze Dorf, während du ständig eine Feder daraus nach links und eine Feder nach rechts wirfst. Komme erst wieder, bis keine Feder mehr übrig ist. Dann erfährst du den zweiten Teil deiner Sühne.“
Der Nachbar tat, wie ihm geheißen. Als der Polster leer war, kam er wieder zurück, um den zweiten Teil seiner Buße zu erfahren. „Nun“, sagte Nasreddin Hodscha, „gehe den ganzen Weg wieder zurück und sammle alle Federn wieder ein.“ – „Aber das wird nicht gehen“, stammelte der Nachbar verwirrt, „die Federn sind doch sicher bereits vom Wind in alle Richtungen vertragen worden. Die kann ich nicht wieder einsammeln. Das ist unmöglich.“ – „Siehst du“, sagte der Hodscha, „genau so ist es mit der üblen Nachrede. Einmal verbreitet wird sie überall hin getragen und man kann sie nicht mehr zurückholen. Das ist das, was du getan hast. Ich bitte dich das zu bedenken, wenn du wieder einmal etwas über andere Leute erzählst.“

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